Leh, Ladakh, Indien
Das buddhistische Königreich Ladakh

Leh, Klein-Tibet im Norden Indiens


30. Juni 2019
Indien
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Weiße Leinen, weiche Polster, helles Holz, ein großes Fenster, das ins Dunkel der Nacht zeigt: Mit Vaibhav und Pranav sitzen wir in einem angenehm eingerichteten Hotelzimmer. Die beiden indischen Geschäftsmänner sind beruflich hier und uns verbindet eine gemeinsame zwölfstündige Fahrt – 340 km vom hübschen Bergdorf Sonamarg bis nach Leh, im äußersten Norden Indiens. Das Bergstädtchen liegt auf einem Plateau umschlossen von mächtigen Gipfeln, die zum höchsten Gebirge der Welt gehören. Hier sind wir dem Grenzgebiet zu Pakistan und Tibet ganz nah.

Der Weg hierher ist beschwerlich, windet sich kurvenreich zwischen Felswand und Abgrund durch das Gebirge. Noch jetzt im Mai bildet Schnee auf beiden Seiten der Straße ein frostiges Spalier, rauschen eisige Flüsse durch die Täler.

Lediglich zwei Straßen führen nach Leh und beide sind über den langen Winter von Schneemassen blockiert. Unpassierbar; oft mehr als sechs Monate im Jahr. Auf unserem Weg durchqueren wir Dras, eine kleine Siedlung, die uns mit dem Hinweis empfängt, der zweitkälteste bewohnte Ort der Welt zu sein. Wir fahren durch Kargil, wo es 1999 zum bisher letzten Krieg zwischen Indien und Pakistan kam. Die Eindrücke wischen spurlos vorbei. Unmöglich, sie mit Worten zu belegen: Kriegsschauplatz – davon hören wir immer nur aus weiter Ferne.

aufgetürmte Schneemassen auf dem Weg nach Leh
aufgetürmte Schneemassen auf dem Weg nach Leh

Jeder der 340 Kilometer zwischen Sonamarg und Leh ist lang: Kurven, Eis, Schlaglöcher und die schmale Fahrbahn, die oft nur in eine Richtung befahren werden kann, bremsen uns aus. Dennoch sind wir in den ersten Stunden beeindruckt von der Bergwelt, der Ödnis, dem Geröll und einem Farbspektrum, das nicht über Grau- und Brauntöne hinauszureicht. Doch dann sieht sich das Auge satt, ermüdet an der Monotonie. Ab und an tauchen gelbe Warnschilder am Straßenrand auf. Darauf stehen Ratschläge: „After whisky driving risky“, „Darling, I like you, but not so fast“ oder “Slow drive long life”, mit freundlichen Grüßen von der zuständigen Border Roads Organisation. Ein Blick in den felsigen Abgrund unterstreicht die wohlgemeinten Anweisungen.

Almwiese, Sonamarg, Himalaja, Indien
das Gipfelpanorama bei Sonamarg ist atemberaubend
per Anhalter durch Indien
mit Vaibhav und Pranav fahren wir nach Leh

In dieser wilden, entbehrungsreichen Welt ist unser Fahrzeug ein Fremdkörper. Dort draußen wären wir verloren – hier drinnen bringt uns Pranav den Text seines Lieblingsliedes auf Hindi bei. Es geht natürlich um die große, herzzerreißende Liebe. Pranav, ein rundlicher Mann in leicht fortgeschrittenem Alter, schmilzt regelrecht auf dem Beifahrersitz dahin. Am Steuer sitzt Vaibhav, Mitte 20, der uns immer wieder von seiner Verlobten aus Neu-Delhi erzählt, die im Stundentakt anruft, um ihren Zukünftigen über ihr Handydisplay anzuschmachten.

Nun, angekommen in Leh, sind wir gerädert. Die lange Fahrt und die Höhe auf 3.500 Metern zollen Tribut. Vaibhav und Pranav laden uns zum Abendessen in ihr Hotelzimmer ein. Doch noch bevor wir leckeres Dal, Matter Paneer und Chicken Tikka probieren, steht eine 0,7-Liter-Flasche Scotch auf dem Tisch. „Erstmal feiern wir unsere Ankunft“, erklärt Pranav und fügt ernst dazu: „Wir essen erst, wenn die Flasche leer ist“. Das klingt beinahe wie eine Drohung, ist aber typisch indischer Brauch. Erst der Alkohol, dann das Essen – sonst übergibt man sich, sagen die Inder.

Während wir trinken, erzählt Vaibhav immer weniger von seiner Freundin, dafür aber immer mehr von russischen Prostituierten in Goa, von kurzen Röcken und männlichen Trieben. Seine Argumentation widerspricht jeder Sexismusdebatte. „Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss“ und damit ist für Vaibhav alles gesagt.

Am nächsten Morgen sehen Pranav und Vaibhav übel aus. Sie sind verkatert, was sie aber nie zugeben würden. Stattdessen muss es die Höhe sein, da sind sich beide ganz sicher.

Packliste

Packliste

Unsere Ausrüstung muss einiges aushalten. Seit über 7,5 Jahren sind wir dauerhaft unterwegs und strapazieren unser Hab und Gut im täglichen Einsatz. Einiges hat bei uns nur kurze Zeit überlebt, doch anderes bewährt sich mittlerweile seit Jahren und wir sind von der Qualität überzeugt. Unsere Empfehlungen könnt ihr hier nachlesen.

Leh, das kleine Tibet

Leh ist ein Zauberstädtchen und so wie alle Orte, die nur mit Aufwand erreicht werden, hüpft das Herz schon bei der Ankunft euphorisch vor Begeisterung. Vielleicht ist es auch nur der Höhenrausch, der auf 3.500 Metern über dem Meeresspiegel einsetzt, wenn die Lungen mehr Sauerstoff verlangen, als in der Luft verfügbar ist.

Das Hochplateau um Leh ist eine öde Ebene, erdig braun, staubig, kalt. Hier fühlt sich wohl, wer Einsamkeit und ein gewisses Maß Nichts ertragen kann. Die Höhe legt sich wie Blei auf unsere Körper, drückt auf die Atemwege. Jeder Schritt ist mühsam.

Leh, Ladakh
Blick von der Tsemo Gompa auf die trockene Ebene um Leh
graue Flachbauten in Leh, Ladakh, Indien
graue Flachbauten stehen in Leh eng beisammen

Langsam spazieren wir durch Leh. Einfache Lehmziegelbauten stehen neben grauen Betonklötzen. Block an Block reihen sie sich aneinander. Massive Holzfensterrahmen mit schwerem Stützbalken gehören zur traditionellen Bauweise, wie sie auch in Tibet zu finden ist. Bunte Gebetsfahnen flattern über den flachen Dächern. Dahinter erheben sich scharfkantige Berge, die von überall in Leh zu sehen sind. Über Treppen, schmale Gassen und wenige Straßen sind die Gebäude miteinander verbunden. Weiß getünchte Chorten drücken sich in den begrenzten freien Raum zwischen den Häusern. Meterhohe Gebetsmühlen, farbenfroh verziert, erheben sich aus dem Grau der Stadt. Nur mit viel Kraftaufwand gelingt es uns, sie in Schwung zu bringen.

Eine unnachahmliche Ruhe liegt über dem Ort. Seit die Grenze nach Tibet in den 1960ern von den Chinesen geschlossen wurde, ist Leh ein Sackgasse. Isoliert durch mächtige Bergketten scheint auch der Trubel des indischen Subkontinents unbegreiflich weit weg. Die karge Landschaft lässt kaum erahnen, dass die chaotische, tropische Millionen-Metropole Neu-Delhi 1.000 Kilometer weiter südlich zum gleichen Land gehört.

Auch die Kultur ist eine andere. In den Straßen des Ortes klingt unentwegt das buddhistische Mantra des Mitgefühls „Om Mani Padme Hum“ aus einem der vielen Geschäfte, die buddhistische Devotionalien verkaufen. Vom frühen Morgen bis zum Sonnenuntergang begleitet die Melodie durch die Stadt. Gebückte Gestalten mit runzligen Gesichtern schlendern durch die Gassen. Eingepackt in mehrere Kleiderschichten, deren erdige Töne leicht mit der dunklen ledernen Haut mithalten, machen sie es sich auf den Bänken vor der Chowkhang Gompa bequem. Unter hunderten bunten Gebetsfahnen drehen sie unermüdlich ihre Handgebetsmühlen. Andere murmeln Mantras und zählen dabei die Glieder ihrer Gebetsketten.

Die Menschen hier sehen anders aus. Die Gesichter sind runder, die Nasen flacher und breiter, die Augen schmaler als weiter südlich auf dem indischen Subkontinent. Die Bewohner von Leh ähneln mehr den Völkern aus Tibet, Nepal oder der Mongolei. Thukpa, eine tibetische Nudelsuppe, ist hier genauso beliebt wie Momos, gefüllte Teigtaschen.

buddhistischer Mönch im Gespräch, Main Bazar, Leh, Ladakh
Gebetsfahnen und Mönche in dunkelroten Roben sind in Leh allgegenwärtig
Chowkhang Gompa in Leh, Ladakh
die Chowkhang Gompa im Zentrum von Leh
Männer drehen Handgebetsmühlen, Leh, Ladakh
überall in Leh drehen die Einheimischen ihre Handgebetsmühlen

Mönche in dunkelroten Roben und verspiegelten Sonnenbrillen laufen leichtfüßig durch die Stadt. Immer ein offenes Ohr für die Belange der Einheimischen und immer ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung in Leh ist buddhistisch, aber auch Muslime wohnen hier, haben ihre Moscheen und Marktstände. Seit dem achten Jahrhundert leben beide Religionen friedlich miteinander.

Entlang der Straßen und Gassen sitzen Bäuerinnen auf den Bürgersteigen. Eingemummelt in dicke Jacken, wollene Mütze und schwere Decken bieten sie ihre Waren feil: Kartoffeln, Rüben, Karotten und Kohl liegen in großen Bündeln vor ihnen. Stundenlang sitzen sie da, schwatzen miteinander, tauschen sich aus über die Neuigkeiten der Nachbarschaft. Ab und an verkaufen sie ein paar Pfund Gemüse. Dann wühlen sie aus den wärmenden Kleiderschichten ein kleines Geldtäschchen hervor, zählen die Rupien und verstecken alles wieder irgendwo im Labyrinth der Stofffalten.

In der Fußgängerzone werden Souvenirs verkauft. Messingglocken und Kukris, die Krummdolche der Gorkas, Klangschalen, Gebetsfahnen und kleine Tischgebetsmühlen befinden sich in den Auslagen. Tantrische Rollbilder, Thankas genannt, und tibetische Dämonenmasken werden ebenso verkauft, wie türkisfarbene Schmucksteine in schweren Halsketten. Flauschige Decken aus Yakwolle schützen vor der Kälte. Käse aus Yakmilch gilt als Delikatesse.

Die Harmonie des Ortes verzaubert uns vom ersten Augenblick. Das Leben hier ist einfach, folgt ganz simplen Regeln. Das Wasser für die Eimerdusche in unserem Homestay erhitzen wir mit Solarkraft und das ist schon der größte Komfort, den wir hier haben. Wir schlafen unter zwei dicken Wolldecken, weil es keine Heizung gibt. Morgens öffnen wir die Fenster unseres kleinen Zimmers und schauen über die Dächer von Leh, blicken hinauf zum Palast und den Gebetsfahnen der Tsemo Gompa, die weit über Leh auf einer Felsspitze im Wind flattern. Dahinter erheben sich schneebedeckte Berggipfel über denen ein blauer Himmel strahlt.

Gasse und traditionelle Häuser in Leh
staubige Gassen führen entlang traditioneller Häuser durch Leh
Frauen auf einer Bank in Leh, Ladakh
mitten im Himalaja ist der Buddhismus fest im Alltag verankert
Männer drehen Handgebetsmühlen in Leh, Ladakh
mit den Handgebetsmühlen bringen gläubige Buddhisten positives Karma in die Welt

Der Tourismus bringt dem Städtchen immer mehr Einnahmen. Die erforderliche Infrastruktur ist bereits gelegt. In Leh gibt es Pizza und Burger, Bier und Whiskey, Ausrüstungsgeschäfte, gefälschte und echte Kaschmirwolle und Reiseagenturen, die Ausflüge in die Umgebung anbieten. Es sind vor allem junge Reisende, die sich diesem Angebot inmitten der Ödnis hingeben. Gekleidet in hochwertige Outdoorjacken prosten sie sich mit dem indischen King Fisher zu, berichten von ihren Erlebnissen auf den Wanderungen in der Region und ihren Erwartungen an alles noch Bevorstehende. Und während sie reden und lachen, mit den Gedanken schon wieder auf dem Weg ins Unbekannte, spaziert ein alter Mann die Gasse entlang und ist mit seiner sich fortwährend drehenden Handgebetsmühle allein im Hier und Jetzt.

Leh lädt zum Beobachten ein – immer und immer wieder. Es gibt nichts Schöneres als gemütlich einen Ingwertee mit Honig und Limette zu schlürfen und das Leben auf der Straße zu betrachten. Die Mönche, die Märkte, die Arbeiter und Handwerker, die Touristen – sie alle tragen zum Charme des Städtchens bei. Pkws ziehen Staubwolken auf den sandigen Pisten hinter sich her, Baumaschinen poltern. Leh ist geschäftig, alles andere als verträumt, und dennoch fehlt jede Hektik.

Gerade wird überall in Leh gebaut, werden Straßen ausgebessert, entstehen neue Gebäude. Manchmal wirbelt der Staub in dichten Wolken durch die Gassen. Immer wieder fegen Ladenbesitzer zum Klang des „Om Mani Padme Hum“ vor ihren Türen. Dabei sind sie so ruhig und gelassen, wie man es nur mit großem innerem Frieden sein kann.

Es ist nicht schwer sich vorzustellen, wie einst Händler durch das Gebirge zogen, um hier in Leh ihre Waren zu tauschen und ein paar Tage Kraft für die Weiterreise zu schöpfen. In ihren Karawanen folgten sie den Wegen der Einheimischen vorbei an Manimauern, Chorten und dramatisch in den Fels gebauten Klöstern. Vielleicht statteten sie auch der Königsfamilie einen Besuch ab, die über der Stadt in ihrem Palast am Hang residierte.

junge Frau vor dem Leh Palast, Leh, Ladakh
der Leh Palast erhebt sich stolz über die charmante Stadt
Blick auf die Lehmhäuser von Leh, Ladakh, Indien
in der kargen Landschaft schmiegt sich Leh an raue Felsen

Leh Palast und das Königreich Ladakh

Der Pfad dorthin ist auch heute noch anstrengend. Wir schnaufen den steilen Hang zum ehemaligen Palast aus dem 16. Jahrhundert hinauf. Der einstige Königssitz ist ganz ähnlich dem berühmten Potala Palast in Lhasa. Hohe graue Wände ragen über neun Stockwerke aus dem Fels empor. Hölzerne Türen und Fensterrahmen schmücken den Bau, der eher als raue Burg daher kommt.

Von hier herrschten die Könige über ihr Reich Ladakh, das einst bis nach Baltistan im heutigen Pakistan, nach Spiti in Himachal Pradesh und Xinjiang in China reichte. Mitten im Hochgebirge kontrollierte Leh die Handelswege entlang der Seidenstraße zwischen Indien und China, sowie die Routen zwischen den Märkten von Tibet und Kaschmir. Salz und Getreide wurden hier ebenso umgeschlagen wie Kaschmirwolle und Pashmina, Harz, Indigo und Seide.

Das buddhistische Ladakh war lange Zeit unabhängig, musste sich aber immer wieder mit den Machtansprüchen fremder Herrscher auseinandersetzen. Heute leben Muslime, Buddhisten, Hindus und Sikhs auf dem kalten, trockenen Hochplateau. Doch der Buddhismus ist bis in die Gegenwart die wichtigste Religion geblieben. Rund im Leh befinden sich gleich mehrere fantastisch in die Landschaft gesetzte Tempel und Klöster. Die Thiksey Gompa ist eine von ihnen. Auf 12 Etagen erhebt sich der Komplex am Hang eines Felsens über der Ebene und gehört zu den einflussreichsten Klöstern der Region. Seine Heiligkeit Dalai Lama XIV ist immer mal wieder hier zu Gast.

Thiksey Gompa, Ladakh, Indien
die eindrucksvolle Thiksey Gompa sitzt prominent auf einem Felsen in der Ebene
Maitreya-Statue in der Thiksey Gompa, Ladakh
die 15 Meter hohe Statue des Buddhas der Zukunft wurde zu Ehren des Dalai Lama XIV errichtet

Der Khardung La und das Nubra Tal

Ein paar Tage verbringen wir in Leh, gewöhnen uns an die Höhe, betrachten die Einwohner und ihre Bräuche, essen Momos und Thukpa, lauschen ein paar Reisegeschichten. Als wir uns gestärkt und fit genug fühlen, steigen wir in einen Jeep und brausen los.

Es geht steil bergauf – zunächst auf Asphalt und schon bald auf einer holprigen, zerschlagenen Piste. Meter um Meter steigen wir empor. Schnee türmt sich am Straßenrand, Militärtransporter rumpeln uns entgegen. Überall in Ladakh ist die indische Armee zahlreich vertreten. Im nahen Grenzgebiet zu Pakistan bezieht sie Stellung, wartet, lauert, sichert die Grenze. Unser klappriger Jeep stemmt sich mit aller Kraft nach oben, rollt nah am Abhang dem Bergpass entgegen. Schwere Motorräder rollen mit uns auf der Straße. Ein Hauch von Freiheit weht den Fahrern um die frierenden Nasen.

Fast drei Stunden dauert die Fahrt, dann erreichen wir den Khardung La. Der Pass erhebt sich beachtliche 5.359 Meter und weil ein riesiges Hinweisschild noch einige Meter dazu dichtet, geben die Inder den Khardung La gerne, aber doch falsch, als höchsten motorisiert befahrbaren Pass der Welt aus. Tatsächlich gibt es allein in Indien sieben befahrbare Bergpässe, die höher liegen als der Khardung La.

schneebedeckte Berge in Ladakh
eisige Straße zum Khardung La
Khardung La, Bergpass in Ladakh
Khardung La ist einer der höchsten motorisiert befahrbaren Bergpässe der Welt

Nichtsdestotrotz fällt hier oben das Atmen deutlich schwerer als noch in Leh knapp 2.000 Meter tiefer. Es herrscht ein Trubel, wie auf dem Jahrmarkt. Dutzende Jeeps sind bereits hier, die ihre Passagiere für ein paar Selfies vor einem bunten Vorhang aus Gebetsfahnen und dem falschen Hinweisschild des Khardung Las in die Kälte der Bergwelt entlassen.

Hinter dem Khardung La öffnet sich das Nubra Tal auf etwa 3.100 Metern. Ein karges Tal, in dem der gleichnamige Fluss in einem breiten Bett eisig mäandert. Je weiter wir durchs Tal fahren, je näher kommen wir der pakistanischen Grenze. Schon bald fühlen wir uns Shimshal, Hunza und Gilgit ganz nah. Zu sehr erinnern uns die Umgebung und die winzigen Ortschaften an unsere Eindrücke in Pakistan.

Am späten Nachmittag erreichen wir Turtuk, ein malerisches Dorf vor rauer Gebirgskulisse, und sind nur noch zehn Kilometer von Pakistan entfernt. Hier haben die Gesichtszüge der Menschen kaum noch etwas mit denen der Tibeter gemein. Stattdessen gleichen sie den Menschen auf der anderen Seite der Grenze. Tatsächlich gehörte Turtuk bis zum dritten Indisch-Pakistanischen Krieg von 1971 zu Pakistan. Die Menschen hier sind Moslems. Leuchtend grüne Gerstenfelder wiegen leicht im Wind. Ein paar Steinhäuser stehen weit genug auseinander, dass sich niemand über zu laute Nachbarn ärgern muss. Dazwischen wachsen Aprikosenbäume.

Nubra Tal mit Fluss, Ladakh
Blick ins Nubra Tal
Gerstenfelder von Turtuk im Nubra Tal
von den leuchtenden Gerstenfeldern Turtuks ist es nicht mehr weit bis nach Pakistan

Am Hang über dem Dorf steht eine kleine, vom indischen Militär errichtete Gompa. Der Weg dorthin führt steinig bergauf, doch erst dahinter wird der Pfad richtig steil. Ganz nah am Abgrund kraxeln wir den Hang empor, bis wir nach etwa einer Stunde einen kleinen Wasserfall erreichen. Doch lohnenswert ist allein das beeindruckende Panorama – das karge Tal und die fruchtbaren Felder um Turtuk.

Wir erkunden noch mehr Wunderbares in Ladakh, lauschen buddhistischen Mantras und trinken scheußlich schmeckenden Buttertee mit den Mönchen in Diskit, besuchen den kristallklaren Salzwassersee Pangong Tso und stapfen wagemutig selbst hinein in die wilde Bergwelt.

Leh bleibt unsere Basis. Hier schöpfen wir Kraft, hier ruhen wir uns aus, wenn die Höhe unsere Energie verschlingt. Die Stadt hält uns wochenlang in ihrem Bann und wir genießen jede Stunde, jedes „Om Mani Padme Hum“ in den schmalen Gassen und jeden kühlen Sonnenuntergang über den schneebedeckten Gipfeln.

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buddhistische Maske vor Himalaja
schneebedeckte Gipfel erheben sich hinter der Diskit Gompa
Diskit Gompa im Nubra Tal
Diskit Gompa im Nubra Tal
Mönche während der Morgenmeditation, Diskit
Mönche während der Morgenmeditation in der Diskit Gompa
Maitreya-Statue in Diskit, Ladakh
Maitreya, der Buddha der Zukunft in Diskit
Salzwassersee Pangong Tso
der Salzwassersee Pangong Tso liegt 4.238 über dem Meeresspiegel

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