Punta del Este, Uruguay, Titel
Das Beverly Hills des Südens

Punta del Este


31. Juli 2021
Uruguay
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„Weißt du, als ich jung war, hab‘ ich mich mit meinen Freunden immer an einer Tankstelle getroffen. Wir haben gegessen, getrunken und dort unsere Abende verbracht. Das hatte keinen bestimmten Grund. Es war keine besonders schöne Tankstelle, oder so; es war einfach unser Treffpunkt. Genauso ist es mit den Reichen in Punta del Este. Es hat keinen Grund, dass sie sich gerade dort treffen. Die Strände an der Ostküste sehen überall gleich aus. Es ist einfach ihr Treffpunkt.“ So oder so ähnlich erklärt uns Dario die Lage in Punta del Este.

Der Lastwagenfahrer, mit dem wir von Montevideo in den Ferienort an der Ostküste fahren, berichtet außerdem, dass die Einwohnerzahl von Punta del Este in den Sommermonaten der Südhalbkugel von 10 000 auf 500 000 anschwillt. Die kilometerlangen und butterweichen Sandstrände sind dann gefüllt mit den Reichen und Schönen aus Argentinien, Brasilien, Europa und den USA. „Wenn du nicht die entsprechenden Kontakte hast, kannst du in Punta nicht viel mehr machen als baden“, schmunzelt Dario weiter.

Gefeiert wird auf privaten Partys. Entweder in den gigantischen Villen, wo sich direkt an der Atlantikküste riesige Pools auf riesigen Dachterrassen befinden oder in den luxuriösen Hotels. Hier gibt es statt Balkone Infinitypools, die, lediglich begrenzt durch bruchsicheres Glas, einen phänomenalen Blick über den Ort, den Strand und den Ozean bieten. Und wenn das Wetter mal nicht für den perfekten Tag am Wasser reicht, schlendert die gut betuchte Schickeria des Südens über die Flaniermeile. Dort werben Plakate für Rolex und Prada. Die Angebermarken der finanziell bessergestellten haben hier offenbar noch einen guten Ruf. Das hiesige Einkaufszentrum lockt mit dem Slogan: „Bei schlechtem Wetter…Punta Shopping“. Die Skyline Puntas dominieren in die Höhe gebaute Hotels und Baustellen, die noch mehr luxusorientierte Bettenburgen ankündigen. Jedes Jahr werden es mehr Touristen in Punta del Este. Und sie alle wollen ihr Geld verjubeln.

Punta del Este, Uruguay
Porsche in Punta del Este, Uruguay
Punta del Este, Uruguay
Punta del Este, Uruguay

Einsamer Prunk

Jetzt im Herbst wirkt die kleine Stadt wie ausgestorben. Die Strände sind leer gefegt und statt Millionen von Fußabdrücken sehen wir nun weiche kleine Wellen, die vom Wind auf den Strand gedrückt wurden. Die leichte Brise wirbelt feinen Sand auf, lässt ihn über dem Boden hin und her tanzen. Menschen begegnen wir kaum. Lediglich eine Gruppe russischer Touristen betrachtet mit offenen Mündern und ausgestreckten Fingern die Infinitypools an den Fassaden der Hotels. Wir schlendern vorbei am Jachthafen und malen uns aus, was für Verbrechen wohl begangen worden sein mögen, um derartigen Luxus finanzieren zu können. Ab und zu joggen schöne Körper auf der Promenade entlang. An anderer Stelle versucht alter Reichtum, die faltige, schlaffe Haut unter zu großen Sonnenbrillen zu verstecken. Ein weißer Porsche fährt vorbei.

Abgesehen von den gelegentlichen Begegnungen herrscht Totenstille. Alle Restaurants, Bars und Geschäfte sind geschlossen. Die dröhnenden Technotempel wenige Kilometer vor der Stadt, in denen sich sonst die feierwütige reiche Jugend auslebt, haben nur im Dezember und Januar geöffnet. Selbst ein einfacher Kaffee erweist sich als problematisch. Nach einigem Suchen finden wir einen kleinen Imbiss – und bezahlen das Vierfache des üblichen Preises. Jetzt, wo sich die satte Sommerhitze von 40 °C beinahe halbiert hat, könnte man die Luxussuiten im 15. Stock der Hotels für einen Spottpreis mieten. Aber selbst das wäre noch teuer. Wir verzichten und bleiben bei Alejo und Estefania, unseren Gastgebern in Maldonado, wenige Minuten von Punta del Este entfernt.

Das junge Paar hat ein paar Freunde eingeladen und wie in Uruguay üblich wird natürlich gegrillt. In der kleinen Wohnung ist leider kein Platz für die typische Parilla, also grillen wir auf einem Rost im Kamin. Zu den üblichen Mengen Fleisch und Chorizo gesellen sich heute besondere Spezialitäten Uruguays. Wir essen Rindermandel und Rinderdarm und auch etwas, bei dem uns niemand verraten mag, was es ist. Wir überstehen alles, auch dank mehrerer Gläser Rotwein und Bier.

Leuchtturm, Punta del Este, Uruguay
Die Hand im Sand, Wahrzeichen von Punta del Este, Uruguay
Strand von Punta del Este, Uruguay
Strand von Punta del Este, Uruguay

Punta Ballena

Am nächsten Tag machen wir uns auf nach Punta Ballena, einer schmalen Landzunge, die mit viel Fantasie an die Form eines Wales erinnert. Auf einer Seite blicken wir auf die Skyline Punta del Estes und auf der anderen auf den atemberaubenden Atlantik – Sonnenuntergang inklusive. Beide Seiten der Landzunge sind bebaut mit gigantischen Villen. Einige sind so gewaltig, dass wir kaum glauben, dass es sich dabei um ein einziges Haus handeln soll. Die Villen hier, direkt am Ozean, sind um einiges teurer als in Punta del Este. Drei bis vier Millionen US-Dollar lassen sich die Wohlhabenden, meist Brasilianer und US-Amerikaner, diese exklusive Lage kosten. Die Fenster zur Straße sind verriegelt. Hohe Zäune umgeben die Grundstücke. Manche architektonisch herausfordernde Behausungen sehen wie Festungen aus. Es sind dunkle Häuserfronten ohne ein einziges Fenster. Vielleicht ist es die Bat-Höhle, denken wir noch und erhaschen einen kurzen Blick durch die Eingangstür. Pustekuchen. Zur Wasserseite biete eine gigantische Fensterfront einen unbeschreiblichen Panoramablick über den Ozean.

In Punta Ballena wollen wir aber nicht nur über die Reichen staunen, die ihren Tag mit einer morgendlichen Bahn im eigenen Swimmingpool mit Blick auf den Atlantik beginnen. Wir sind auch auf kultureller Mission: Hier in Punta Ballena steht die Casapueblo, das ehemalige Haus des uruguayischen Künstlers Carlos Páez Vilaró. Das riesige, im mediterranen Stil gehaltene Bauwerk liegt natürlich malerisch am Wasser und hat keinen einzigen rechten Winkel. Das Haus ist eine Hommage an den Sohn des Künstlers, der nach einem Flugzeugabsturz zwei Monate in den Anden überlebte. Visualisiert wurde diese Geschichte im Film ‚Überleben‘ – Ihr wisst schon: da wo sie abgestürzt in Schnee und Eis im Gebirge ausharren und einige nur deshalb überleben, weil sie ihre bereits erfrorenen Kollegen aufessen.

Casapueblo, dessen Bau mehr als 30 Jahre in Anspruch nahm, beherbergt heute ein Museum und Vilaros Kunstgalerie; neben einem Hotel und einem Restaurant, versteht sich. Wir haben genug vom Reichtum und machen uns auf, weiter die Ostküste Uruguays zu erkunden. 

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Casapueblo, Punta Ballena, Uruguay
Casapueblo, Punta Ballena, Uruguay
Casapueblo, Punta Ballena, Uruguay
Casapueblo, Punta Ballena, Uruguay
Casapueblo, Punta Ballena, Uruguay

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