Popayán, Kolumbien, Titel
Aguardiente und Luis Angél

Popayán

Wir sind nicht mal eine Woche in Kolumbien und trotzdem ist es an der Zeit Tacheles zu reden. Es gibt so viele Kokain-Gerüchte und Marihuana-Märchen aus diesem Land, dass wir selbst nicht wissen, was wir glauben sollen. Da trifft es sich, dass wir in Popayán eintrudeln; einer Stadt gesegnet mit einer der besten Universitäten des Landes. Wo könnte ein Fakten-Check besser gelingen als in einer Studentenstadt vollgepackt mit jungen, wissbegierigen Menschen?!

Popayán kann aber noch mehr. Das Zentrum schmeichelt uns mit herrlich weiß getünchter Kolonialarchitektur. Hier im Südwesten Kolumbiens ist das Klima fantastisch. Man kann und möchte den ganzen Tag draußen verbringen, durch Gassen streunen, Kaffee trinken, kleine Empanadas mit scharfer Erdnuss-Soße futtern, eine der zahlreichen Prachtkirchen bewundern und wieder Kaffee trinken. 

Von der großen, schattigen Plaza haben wir einen tollen Blick auf die Kathedrale. In der Stadt herrscht eine kultivierte Atmosphäre. Es ist ruhig. Nicht schnarchig, sondern gediegen. Die Lebensqualität ist hoch. Nachts sind die weiß getünchten Gebäude stimmungsvoll beleuchtet. Studenten werfen Schatten. Nach Sonnenuntergang werden sie wild – so wie überall.

Koloniales Zentrum in Popayán
Kathedrale von Popayán

Studentenleben in Popayán

Unser Gastgeber und Kunststudent Luis Angél dirigiert uns durch seine Welt. Wir leben ein lotteriges Klischee und genießen es sehr. Im Studentenwohnheim teilen wir uns ein Zimmer und schlafen unter einem riesigen Bild, das Luis Angél nackt auf einem fliegenden Einhorn zeigt. Für einen Augenblick etwas bizarr. Dann geht’s wieder. Für Luis Angél und seine Freunde sind wir eine willkommene Ablenkung von der schnöden Büffelei. Tagelang schlendern wir durch die kolonialen Straßen Popayáns. Unsere Aufgabe: typisches kolumbianisches Essen entdecken und verputzen. Und noch mehr Kaffee trinken. Die späten Nachmittage verbringen wir in urigen Studentenkneipen und lernen jede Biersorte des Landes mehrfach kennen. 

Nachts tun wir das, was junge Menschen in Popayán anscheinend jede Nacht tun. Wir stehen vor einem Kiosk, treffen Kommilitonen und Freunde aus der Nachbarschaft und trinken billigen Wein und Bier aus Plastikbechern. Später kommt Aguardiente hinzu. Es ist im Wortsinn ein Feuerwasser. Feinster Anisschnaps, staatlich gebrannt, der Rausch der Masse.

Aguardiente ist beliebt und wird bei jeder Gelegenheit ähnlich wie Tequila getrunken. Ein Biss in eine Limettenscheibe begleitet die Prozente. Aguardiente ist so beliebt, dass er auch ohne Gelegenheit getrunken wird. In einer großen Gruppe vor einem Kiosk gibt es natürlich keine Limetten. Nach dem vierten Shot ist das nicht mehr wichtig und nach dem fünften schmeckt Aguardiente sogar ganz gut.

Couchsurfing in Popayán
beleuchtete Kirche in Popayán

Aguardiente und Salsa

Das Wochenende naht. Vorab weist uns Luis Angél in die Geheimnisse des kolumbianischen Hüftschwunges ein und lehrt uns grundlegende Salsa-Schritte. Dabei ist seine Geduld viel ausgeprägter als unsere. Irgendwann nennt uns Luis Angél bestens vorbereitet und so landen wir unausweichlich in einer Salsathek. Neben feuriger Musik und ausgelassenen Kolumbianern strömt Aguardiente literweise in Schnapsbecher. Limetten werden gereicht. Beides erleichtert das Tanzen.

Verkatert schleppen wir uns am nächsten Tag auf einen Hügel vor der Stadt. Er ist Aussichtspunkt und nahes Ausflugsziel. In gemütlichen Cafés wird kolumbianischer Kaffee serviert. Doch Kaffee ist nicht die einzige Spezialität Kolumbiens erklärt uns Luis Angél. Im Ranking der Konsumgüter lande Kaffee lediglich auf dem dritten Platz.

Auf den ersten beiden Plätzen liegen natürlich Kokain und Marihuana. Es sind die beiden größten Exportwaren Kolumbiens und wenn Luis Angél davon berichtet, leuchten seine Augen ein wenig stolz. „Hier stimmt nicht nur die Qualität“, sagt er, „Auch die Preise sind passabel“.

1 Gramm Kokain = 2 Euro.

1 Gramm Marihuana = 0,60 Euro.

Wir bleiben trotzdem bei Kaffee, kippen einen Schuss Aguardiente hinein und kontern so dem Kater.

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Parque Caldas, Zentrum in Popayán
Parque Caldas und Kathedrale in Popayán
drei junge Menschen auf dem Aussichtspunkt über Popayán

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