Unterwegs in der iranischen Wüste Lut 2/2

Die Kaluts und der Kampf mit dem Sandsturm


30. April 2017
Iran
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Am nächsten Morgen verlassen wir Kerman und brechen auf in die Wüste, die Dasht-e Lut. Alle Warnungen konnten unserem Enthusiasmus nichts anhaben. Das Abenteuer in der größten Wüste des Landes wollen wir uns nicht entgehen lassen. Die Dasht-e Lut, die leere Wüste, macht ihrem Name Ehre. Auf 166.000 km², einer Fläche so groß wie die Länder Serbien, Kroatien und Slowenien zusammen, erstreckt sie sich über die iranischen Provinzen Kerman und Sistan und Belutschistan bis nach Pakistan und Afghanistan. Im Südwesten grenzt sie an das Zagrosgebirge,  im Norden an die zweite große Wüste des Iran, die Dasht-e Kavir. Diesen beiden Nachbarn verdankt sie ihr extremes Klima. Die Wüste Lut gehört zu den heißesten und trockensten Orten unseres Planeten. Im Jahr 2006 wurde hier ein Rekordwert von 70,7°C gemessen. Heißer ist es nirgendwo sonst auf der Erde. Natürlich ist die Lut lebensfeindlich. Es gibt keine Belege für eine menschliche Siedlungsgeschichte auf ihrem Gebiet. Selbst Fossilien oder andere Hinweise auf einstiges und gegenwärtiges Leben sucht man bisher vergebens. Keine Skorpione, keine Wüstenfüchse, keine Menschen – über Tausende Quadratkilometer existieren hier lediglich ein paar Bakterien und Sporen. Mehr Leben gibt es nicht.

Selbst die UNESCO zollt den harschen Bedingungen der Wüste Lut Respekt und nimmt sie als bisher einziges iranischen Naturerbe in ihre Liste der schützenswerten Stätten auf. Mitten in der Wüste befinden sich die Kaluts, etwa anderthalb Autostunden nordöstlich von Kerman. In diesem etwa 11.000 Quadratkilometer großen Gebiet schleifen starke Winde seit Jahrmillionen das lockere Sedimentgestein in skurrile Formen. Sandsteintürme, freistehende Felsen und Skulpturen sind aus einer einst 150 Kilometer langen Bergkette herausgeschnitten.

In den Kaluts wollen wir zelten und hoffen an Kermans Ringstraße auf eine Mitfahrgelegenheit. Wie es der Zufall will, sind es zwei Belutschen, die uns in ihrem mindestens 15 Jahre alten PKW mitnehmen. Die beiden jungen Männer sind auf dem Weg nach Bam und scheinen ausgesprochen nett zu sein. Sie tragen das Shalwar Kamiz. Einfarbige, knielange Oberteile und weite, sehr bequeme Pumphosen. Im Auto wird uns sofort Chai aus einer Thermoskanne angeboten, doch als wir den beiden Männern das Ziel unserer Reise nennen, stockt ihnen der Atem. In die Wüste Lut wollen wir? Das sei unmöglich – niemand fahre einfach so in die Wüste. Wir würden ewig auf eine Mitfahrgelegenheit warten. Dennoch lassen wir uns nicht entmutigen, bestehen auf unser Vorhaben und lassen Kerman, gemütlich Chai schlürfend, hinter uns. Doch zwanzig Kilometer später, an der Abzweigung in die Wüste, steigen wir nicht aus. Stattdessen biegen unsere beiden Freunde unerwartet ab. Sie könnten nicht verantworten uns hier im Nirgendwo aussteigen zu lassen, erklären sie. Also nehmen sie einen 70 Kilometer langen Umweg nach Shahdad, eine Wüstenoase in der Lut, in Kauf. Wir versuchen ihnen diesen Unsinn auszureden, sind aber schon auf direktem Weg in die Wüste. Über die letzten Ausläufer des Kuhrudgebirges fahren wir bis an den Rand der weiten, sandigen, toten Ebene.

Wüste Lut, Iran

unsere Mitfahrgelegenheit in die Wüste Lut

Shahdad ist ein kleines Dorf, in dem seit etwa 5.000 Jahren Menschen in Lehmhütten leben. Es gehört zu einer Gruppe von etwa 30 kleinen Oasensiedlungen in der südlichen Peripherie der Dasht-e Lut und gilt als Tor in die Wüste. Es ist Mittag, als wir das Dorf erreichen. Zwischen Dattelpalmen und Feldern verabschieden wir uns von den hilfsbereiten Belutschen, die nun erneut 70 Kilometer zurück bis zur Straße nach Bam fahren werden.

Als wir hinter Shahdad an der Straße stehen, sind wir der Wüste bereits sehr nah. Dunkle Wolken hängen am Himmel, schützen uns vor der Sonne und dennoch ist die Trockenheit überall auf der Haut spürbar. Hände und Gesicht sind in wenigen Minuten rau und spröde. Lange warten wir vergebens auf eine Mitfahrgelegenheit. Nur ein paar Dorfjungen fahren mit ihrem Fahrrad vorbei und betrachten uns als kämen wir von einem fremden Planeten. Sonst passiert nichts. Bereits in Shahdad scheint das Leben jede überflüssige Aktivität eingestellt zu haben.

Nach etwa zwei Stunden des Wartens nähert sich der erste PKW und hält tatsächlich für uns an. Der Fahrer, ein älterer Herr, der über sein Shalwar Kamiz ein braunes Jackett gezogen hat, nimmt uns lächelnd mit. Er weiß bereits, wohin wir wollen. Wenn Fremde in Shahdad landen, so erklärt er, haben sie meist nur ein Ziel: die Kaluts. So ist es auch bei uns. Die nächsten 40 Kilometer fahren wir durch die Wüste, die sich weit und staubig um uns erstreckt. Ein paar dürre Bäumchen ragen über sandige Hügel empor, die ihren Wurzeln halt geben. Dann, weit in der Ferne erheben sich Formationen aus dem Untergrund, die zunächst wie Gebäude aussehen. Es sind die Kaluts, die uralten Sandsteinschlösser und Markenzeichen der Wüste Lut, die bis zu 75 Meter in die  Höhe ragen.

Wüste Lut, Iran

unsere Mitfahrgelegenheit zu den Kaluts

Die Asphaltstraße durch die Wüste führt auch mitten durch die Kaluts. Hier steigen wir aus, unsere Mitfahrgelegenheit rauscht gen Horizont davon und nun sind es nur noch wir und die Wüste. Reifenspuren durchziehen in Kreisen und Schlangenlinien den grauen Sand, zeugen von den Wüstenabenteuern unbedarfter Autofahrer. Um uns erheben sich die Gesteinsformationen, die entfernt an das Monument Valley in den USA erinnern. Salze verkrusten den welligen Boden, geben ihm das Aussehen von Raureif am Morgen. Mittlerweile ist der Tag weit vorangeschritten. Noch immer stehen dunkle Wolken am Himmel, als wir durch die Kaluts spazieren. Dann plötzlich erhebt sich in wenigen Minuten ein Sturm, der uns den rauen Wüstensand um die Ohren peitscht. Erst wirbelt er feinen Staub um unsere Knie, doch schon gleich darauf treibt er grobe Sandkörner mit enormer Geschwindigkeit in unsere Augen, Ohren und Nasen. Der Sturm kommt so heftig, dass er uns die Mütze vom Kopf reißt und sie weit in die Wüste trägt. Hastig hetzen wir ihr nach, verlieren dabei eine Wasserflasche aus dem Rucksack, die nun ebenfalls vom Wind erfasst wird und Meter um Meter über den Wüstenboden rollt. Als wir endlich Mütze und Wasservorrat eingefangen haben, sind wir über und über mit Staub bedeckt. Kleidung, Gesicht, Hände, Haare, alles ist mit einer dünnen Sandschicht belegt, während der Sturm noch immer um uns herum wütet. Sandkörner kleben schmerzhaft in den Augen und während Tränen die alten Körner auswaschen, weht der Wind neue hinein.

Nach einer halben Stunde lässt der Sturm nach und wir bauen unser Zelt auf einer weiten, ebenen Fläche zwischen den Sandsteintürmen auf. Dann ist es Zeit fürs Abendessen. Über unserem Gaskocher erhitzen wir eine Konserve Ghormeh Sibzamini – ein Kräuter-Kartoffel-Eintopf – und schauen beunruhigt hinauf in die Wolken. Eigentlich sind wir hierhergekommen, um den nächtlichen Sternenhimmel zu bewundern. Weit weg von jeder künstlichen Lichtquelle wollten wir die Schönheit des Universums bestaunen, doch daraus wird nichts. Zwar war die Wolkendecke nach dem Sandsturm kurzzeitig aufgerissen, aber nun in der beginnenden Abenddämmerung schließt sie sich wieder. Schlagartig wird es kalt. Auch die heißeste Wüste ist nachts im Winter ziemlich frostig. Gegen 20 Uhr liegen wir im Zelt in unseren Schlafsäcken und es dauert nicht lange, bis wir gemächlich einschlummern.

Kaluts, Wüste Lut, Iran

Sandsturm in den Kaluts

Wüste Lut, Iran

die Kaluts in der Wüste Lut

Wüste Lut, Iran

Wüste Lut, Iran

Felsformationen, geschliffen in Jahrtausenden

 

Wüste Lut, Iran

Doch dann beginnt die schlimmste Nacht dieser Reise. Wieder ziehen Sturmböen über den Wüstenboden, rütteln und reißen an der Zeltplane, schrecken uns aus dem Dämmerzustand. Im Zelt knattert es so laut, dass wir befürchten, dass es jeden Moment auseinanderreißt. Der Sturm drückt heftig gegen die dünnen Wände. Der Innenraum wird in Sekunden komprimiert. Wir sitzen in einer Falle und können uns nicht anders helfen als jämmerliche Flüche auszustoßen. Fuck, Fuck, Fuck! Was ist hier bloß los? Die Zeltplane schlägt uns ins Gesicht, drückt uns auf den Boden. Wir hecheln nur noch asthmatisch. Sand dringt durch die kleinsten Ritzen ins Zelt, wirbelt um uns herum, erschwert das Atmen zusätzlich.

Unser Handeln ist nur noch instinktiv. Mit Händen und Füßen, Armen und Beinen, drücken wir auf dem Boden liegend die Zeltplane von uns weg, versuchen das Zelt von innen zu stützen. Damit erlauben wir auch wieder etwas mehr Raum für Sauerstoff, unsere Atmung beruhigt sich. Doch nun liegen wir wie zwei Käfer mit ausgestreckten Gliedern auf dem Rücken und können nichts anderes tun, als der Naturgewalt Widerstand zu leisten.

Der Sturm hält jedoch dagegen, denkt gar nicht daran aufzugeben. Immer ruppiger drückt, zerrt und reißt er an unserer dünnen Schutzbehausung. Dazu brüllt er wie ein wildes Tier. Wir sind müde, erschöpft vom Kampf gegen das Unwetter, doch an Schlaf ist nicht zu denken. Sand klebt in unseren Gesichtern, schmerzt erbärmlich in den Augen. Unser Zeitgefühl löst sich auf. Wir sind gefangen im Augenblick. Einer folgt auf den nächsten; wie viele es sind, vermag ich nicht zu sagen. Das Knattern der Zeltplane nimmt wieder zu. Wie lange wird unser Zelt diesen Sturm aushalten können? Wann brechen die Stangen? Wann weht es in Stücke zerfetzt davon? Wann sind wir der Wüste schutzlos ausgeliefert?

Noch während wir uns sorgenvoll diesen Gedanken hingeben, ist es plötzlich vollkommen still. Der Druck auf die Zeltplanen lässt schlagartig nach und diese hängen nun wie erschöpfte Boxer in den Seilen. Wir können es kaum glauben. Es ist nach Mitternacht. Beinahe drei Stunden haben wir mit der Naturgewalt gerungen, doch nun scheint der Spuk vorbei.

Langsam öffnen wir den Reisverschluss des Zelteingangs, schauen hinaus in die Wüste. Weit über uns ist die Wolkendecke an einigen Stellen aufgerissen. Darüber funkeln dutzende Sterne. Um uns ist es still, nur ein leichter Wind säuselt über den Boden, wirbelt Staub ein paar Zentimeter weit auf. An unseren Rucksäcken vor dem Zelt haben sich hohe Sanddünen aufgetürmt. Wir krabbeln ins Freie und begutachten im Dunkel der Nacht unser Hab und Gut. Es scheint nichts beschädigt zu sein. Dennoch entscheiden wir uns einen anderen Zeltplatz aufzusuchen. Auf der Ebene sind wir zu ungeschützt und einen weiteren Kampf mit dem Sturm wollen wir nicht riskieren. Also bauen wir ab und ziehen in die Nähe eines der Sandsteintürme. An seinem Fuß liegt jede Menge Geröll. Doch Komfort ist uns im Moment ziemlich egal. Wir sind müde und erschöpft und hoffen im Windschatten des Felsens endlich schlafen zu können.

Doch dann, noch während wir das Zelt aufbauen, peitscht der Wind von neuem auf uns ein. Dichte Sandwolken umhüllen uns, verkleben Augen und Nasenhöhlen. Als wir den letzten Hering in den Wüstenboden geklopft haben, tobt der Sturm schon wieder mit aller Kraft. Drinnen im Zelt bedeckt eine feine Sandschicht unsere Isomatten und Schlafsäcke. Der Sturm nimmt zu, wird immer heftiger. Nach wenigen Minuten spüren wir wie draußen die Halterungen nachgeben. Ein Hering nach dem anderen löst sich aus dem Boden und so flattert die Zeltplane an beiden Enden kräftig im Wind. Allein unser Gewicht ist es, das das Zelt nun noch auf dem Boden hält.

Wüste Lut, Kaluts, Iran

Wüste Lut, Kaluts, Iran

Wüste Lut, Kaluts, Iran

Wieder liegen wir mit ausgestreckten Armen und Beinen auf dem Rücken, kämpfen gegen den Sturm. Momente der Angst kommen und gehen. Werden wir die Nacht durchstehen? Haben wir den Höhepunkt des Sturms schon erreicht oder steht uns das Schlimmste noch bevor? Doch der Sturm zerrt weiter am Zelt, zerrt weiter an unseren blank liegenden Nerven. Irgendwann stelle ich das Denken ein. Mein Körper reagiert nur noch, stemmt sich gegen jeden Böe, die das Zelt zu erdrücken versucht.

Gegen vier Uhr morgens ist es endlich vorbei. Der Wind flaut ab, bis er nur noch als leichter Hauch durch die Wüste geht. Wir sind völlig erschöpft und kraftlos. Die Zeltplane hängt schlaff auf uns herab, bedeckt uns von den Zehenspitzen bis zum Schopf. Doch wir schlafen ein, noch ohne das Zelt wieder vernünftig aufzubauen.

Als wir am nächsten Morgen aufwachen ist es bereits zehn Uhr und im zusammengefallenen Zelt staut sich die Hitze. Wir betrachten das Resultat der vergangenen Nacht und können kaum fassen, dass das Zelt die Zerstörungswut des Sturmes schadlos überstanden hat. Doch nicht nur das: Wir finden sogar alle Heringe wieder, die weit verstreut um unseren Zeltplatz liegen. Die dunkle Wolkendecke hat sich aufgelöst, dafür wölbt sich ein undurchsichtiger Schleier aus feinen Staubpartikeln über den Himmel. Wie Nebel verschluckt er in einiger Entfernung die Landschaft.

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unser Zelt am Morgen nach dem Sandsturm

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Mit einem Gefühlsmix aus Frustration und Euphorie über die Ereignisse und den Ausgang der letzten Nacht versuchen wir so viel Sand wie möglich aus unserer Kleidung und dem Zelt zu schütteln, bevor wir zurück zur Straße stapfen. Tiefe Augenringe zeichnen unsere Gesichter, wir sind über und über mit Sand verklebt. Er hängt in den Haaren, knirscht zwischen den Zähnen, füllt die Hosentaschen. So mitgenommen stehen wir am Straßenrand in einer grauen Landschaft. Grau ist der Himmel über unseren Köpfen, grau ist der Sand unter unseren Füßen, grau der Asphalt auf dem sich nach nur fünf Minuten des Wartens ein Transporter nähert.

Zwei Männer sitzen im Fahrerhäuschen und bedeuten uns auf der offenen Ladefläche Platz zu nehmen. Wir vermuten eine Mitfahrgelegenheit bis nach Shahdad, gelangen aber in einem Rutsch bis nach Kerman. Zwei Stunden dauert die Fahrt, dann stehen wir wieder vor Amins Haus. Als er uns die Tür öffnet, strahlt er über das ganze Gesicht. Erleichtert erklärt er uns, dass es in der letzten Nacht etwas windig in Kerman gewesen sei und er schon Angst um uns in der Wüste hatte. Unsere Geschichte bleibt das Thema für den Rest des Tages. Amin ist ein hervorragender Erzähler der Ereignisse und lässt keine Gelegenheit aus seinen Eltern und Freunden zu erzählen, dass wir die Wüste Lut überlebt haben.

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in den Kaluts in der Wüste Lut

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zurück in Kerman

Nachdem wir uns unter einer wohltuend heißen Dusche die letzten Sandkörner vom Körper gewaschen haben, serviert uns Amins Mutter köstliches Kashke Bademjoon, ein herzhaft cremiges Auberginengericht, das uns für die Anstrengungen der letzten Nacht entschädigt.

Am Abend treffen wir uns erneut mit Mehdi, Marjan und Moazameh in einem Café und rauchen Wasserpfeife. Auf dem Weg hierher plant Amin eine schelmische Überraschung für seine Freunde, in der ich die Hauptrolle spiele. Weil Kerman für seine starken Wasserpfeifen berühmt ist, die den Rauchenden oft mit einem Schwindel in die weichen Sitzkissen sinken lässt, überredet mich Amin bei einer kleinen Vorführung mitzumachen. Während wir nun gemütlich mit jeder Menge Chai um die Wasserpfeife im Café sitzen, sinke ich zurück und lasse in einem Ton, der alle Anspannung von mir abfallen lässt, folgendes verlauten: „Babā, kalle gietsch schodam!“ – „Man, ich bin völlig fertig!“ Die Reaktion: drei verblüfft herunterklappende Unterkiefer und ein feixender Amin.

Gegen Mitternacht verlassen wir das Café und fahren mit Amin zu einem Aussichtspunkt weit über der Stadt. Auf einem Stein am Hang lassen wir uns nieder. Unter uns funkelt Kerman in tausenden Lichtern. Ein heimlicher Treffpunkt für Verliebte und hier erzählt uns Amin von dem Mädchen, dem momentan sein Herz gehört. Er weiß nichts über sie, kennt nur ihren Namen, Amene, und ihren Arbeitsplatz – ein Bekleidungsgeschäft in Kerman. Seit Wochen schlendert Amin immer wieder am Laden vorbei, traut sich aber nicht Amene anzusprechen. Also verabreden wir genau das am nächsten Tag umzusetzen. Wir wollen so tun, als wären wir an iranischer Kleidung interssiert und Amin soll unser Übersetzer sein, der mit Amene das Gespräch führt. Bevor wir abreisen, verschaffen wir Amin eine Verabredung, oder zumindest lassen wir Amene wissen, dass Amin existiert.

Doch dazu kommt es nicht, denn am nächsten Tag arbeitet Amene nicht im Bekleidungsgeschäft und stattdessen lassen wir uns noch einmal den vorzüglichen Chai im Vakil Teehaus schmecken. Wieder spielt eine Band alte Lieder auf den traditionellen Instrumenten der Wüste. Es ist Sonntagmittag und das Teehaus bis auf den letzten Platz besetzt. Das Stimmengewirr ist fast so laut wie die Musik. Beides vermischt sich zu einer Geräuschkulisse, wie sie nur der Orient hervorzubringen vermag. Auf Sitzkissen gebettet rauchen wir eine letzte Wasserpfeife, dann verlassen wir das Vakil Teehaus, verlassen Amin, verlassen Kerman und stehen erneut an der Straße, die uns in die Wüste führen wird. Das nächste Ziel heißt Bam.

 

Unterwegs in der Wüste Lut in zwei Teilen

Teil 1: Kerman, Wasserpfeifen und die Sache mit dem Opium

Teil 2: Die Kaluts und der Kampf mit dem Sandsturm

Aus dem hohen Norden Deutschlands hinaus in die Welt: 2011 zieht es Morten und Rochssare für zwei Jahre per Anhalter und mit Couchsurfing auf den südamerikanischen Kontinent. Genauso geht es nun weiter. Jetzt jedoch in die andere Richtung. Seit 2014 trampen die beiden auf dem Landweg von Deutschland nach Indien und weiter nach Südostasien. Es gibt noch viel zu entdecken.

Von ihren Abenteuern und Begegnungen erzählen sie in ihren Büchern „Per Anhalter durch Südamerika“ und „Per Anhalter nach Indien“, jeweils erschienen in der National Geographic Reihe bei Malik.

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  • 30. Juni 2017

    Hallo ihr Zwei,

    habe gerade eure tollen Berichte über den Iran gelesen. War selbst im April 2017 das erste Mal dort für 3,5 Wochen. Will jetzt nicht spiessig erscheinen, aber ich frage mich, ob ihr von euren iranischen Bekanntschaften nicht manchmal zuviel preisgebt (z.B. Fotos und Namen) . Alkohol und Drogenvergehen sind dort ja kein Spass. Zwar sind eure Berichte auf deutsch, aber bei dem hohen iranischen Bildungsstand würde ich mich nicht wundern, wenn der Geheimdienst auch deutsch kann. Irgendwer muß ja schließlich den Schriftverkehr der deutschen Touristen prüfen.
    Viel Spass beim Reisen und passt auf euch auf Roland

    P.S. Die Geschichte mit dem Sandsturm bei den Kaluts ist spannend, aber irgendwie auch leicht bekloppt, sich in diese Gefahr zu begeben.


    • nuestra america
      1. Juli 2017

      Hallo Roland,
      schön, dass dir unsere Texte gefallen.
      Wir sind uns der iranischen Realität schon bewusst, daher bilden wir auch keine Personen ab, wenn sie Gesetze überschreiten – zumindest nicht so, dass sie zu erkennen sind. Klarnamen verwenden wir ebenfalls nicht. Wir achten schon darauf, niemandem ein Bein zu stellen.

      Die Geschichte mit dem Sandsturm war tatsächlich etwas verrückt. Aber für uns in dem Moment auch unvorhersehbar. Der Sandsturm kam plötzlich und heftig – auch aufgrund der Abgeschiedenheit gab es keine Möglichkeit die Situation zu verlassen. Wir sind froh, die Erfahrung gemacht zu haben, aber ein zweites Mal brauchen wir sie auch nicht 😉